Methylenblau: Wirkung, Studien, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
Peptika Redaktion · Veröffentlicht · 2 Min. Lesezeit

Methylenblau (Methylthioniniumchlorid) ist einer der ältesten synthetischen Wirkstoffe überhaupt. Heute ist es ein zugelassenes Notfallarzneimittel, ein Labor-Farbstoff und zugleich ein Trend in der Longevity- und „Biohacking“-Szene. Mit rund 18.000 Suchanfragen im Monat ist es eines der meistgesuchten Themen rund um Stoffwechsel und Mitochondrien. Dieser Artikel ordnet ein, was belegt ist.
Was ist Methylenblau?
Methylenblau ist ein Phenothiazin-Farbstoff, 1876 von Heinrich Caro bei der BASF synthetisiert. Paul Ehrlich setzte ihn Ende des 19. Jahrhunderts gegen Malaria ein; damit gilt Methylenblau als einer der ersten vollsynthetischen Wirkstoffe in der Medizin. Im Labor wird es bis heute zum Anfärben von Zellen und als Redox-Indikator verwendet.
Wofür ist Methylenblau zugelassen?
In der EU ist Methylthioniniumchlorid als Arzneimittel zur Behandlung der Methämoglobinämie zugelassen, einer Störung, bei der der rote Blutfarbstoff keinen Sauerstoff mehr transportieren kann, etwa nach Vergiftungen. Es wird in der Klinik intravenös gegeben; die Dosis legt die Ärztin oder der Arzt nach Körpergewicht fest.
Wie wirkt Methylenblau?
- Redox-Kreislauf: Methylenblau wird in der Zelle zu Leukomethylenblau reduziert und kann Elektronen wieder abgeben. So wandelt es Methämoglobin zurück in funktionsfähiges Hämoglobin.
- Mitochondrien: In Zell- und Tiermodellen kann Methylenblau Elektronen in der Atmungskette übertragen und so den Weg um geschädigte Komplexe der Atmungskette herum öffnen. Darauf beruht das Interesse der Alterns- und Neuroforschung.
- Enzymhemmung: Methylenblau hemmt die Monoaminoxidase A (MAO-A) stark sowie die NO-Synthase und die Guanylatzyklase. Die MAO-A-Hemmung ist für die wichtigste Wechselwirkung verantwortlich (siehe unten).
Was zeigen Studien?
Gehirn und Alzheimer: Methylenblau hemmt in Laborversuchen die Verklumpung des Tau-Proteins. Eine verwandte Verbindung (Hydromethylthionin) wurde in großen Phase-3-Studien bei Alzheimer untersucht und verfehlte den primären Endpunkt (Gauthier et al., 2016).
Haut: In Kulturen menschlicher Hautzellen und in Hautmodellen zeigte Methylenblau antioxidative Effekte und verbesserte Marker der Hautalterung (Xiong et al., 2017). Studien am Menschen dazu sind klein oder fehlen.
Kognition und Stoffwechsel: Kleine Studien untersuchten Effekte niedriger Mengen auf Gedächtnis und Hirnaktivität. Die Datenlage ist zu dünn für belastbare Aussagen.
Nebenwirkungen
Aus der klinischen Anwendung bekannt sind:
- Blau-grüne Verfärbung von Urin, teils auch von Haut und Schleimhäuten (harmlos, aber typisch)
- Übelkeit, Kopfschmerz, Schwindel, Unruhe
- Hämolyse (Zerfall roter Blutkörperchen) bei Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel; dort ist Methylenblau kontraindiziert
- paradox: in hohen Mengen kann Methylenblau selbst eine Methämoglobinämie auslösen
- in der Schwangerschaft kontraindiziert
Gefährliche Wechselwirkung: Serotonin-Syndrom
Weil Methylenblau die MAO-A hemmt, kann es zusammen mit serotonergen Medikamenten ein Serotonin-Syndrom auslösen, eine potenziell lebensbedrohliche Überaktivität des Serotoninsystems. Die US-Arzneimittelbehörde FDA warnte 2011 ausdrücklich vor der Kombination mit Antidepressiva wie SSRI und SNRI. Das gilt unabhängig davon, in welcher Form Methylenblau aufgenommen wird.
Methylenblau einnehmen: was gilt?
Für die Einnahme außerhalb der zugelassenen Anwendung gibt es keine geprüfte Dosierung. Als Nahrungsergänzungsmittel ist Methylenblau in der EU nicht zugelassen. Wer Medikamente nimmt, sollte die Wechselwirkungen ärztlich klären lassen. Peptika liefert Methylenblau-Kapseln ausschließlich als Referenzmaterial für Forschung und Labor.
Häufige Fragen
Weiterlesen
Quellen
- U.S. Food and Drug Administration: Drug Safety Communication – serious CNS reactions possible when methylene blue is given to patients taking certain psychiatric medications (2011).
- Gauthier S et al. Efficacy and safety of tau-aggregation inhibitor therapy in patients with mild or moderate Alzheimer’s disease: a randomised, controlled, double-blind, parallel-arm, phase 3 trial. Lancet. 2016;388(10062):2873–2884.
- Xiong ZM et al. Anti-Aging Potentials of Methylene Blue for Human Skin Longevity. Sci Rep. 2017;7:2475.
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Methylthioninium chloride Proveblue – EPAR.
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=methylene%20blue%20mitochondria


