Peptid-Grundlagen · Vergleiche
Peptide als Kapseln, Nasenspray oder Injektion: Was Studien zur Aufnahme zeigen
Peptika Redaktion · Veröffentlicht · 3 Min. Lesezeit

Zu fast jedem Peptid wird inzwischen gefragt: „Kapseln oder Injektion?“, „Gibt es das als Nasenspray?“, „Wirkt das oral?“. Die Antwort hängt davon ab, wie ein Peptid in den Körper gelangt und wie stabil es dabei bleibt. Dieser Artikel erklärt die drei wichtigsten Darreichungsformen und was über sie belegt ist.
Das Grundproblem: Peptide sind empfindlich
Peptide bestehen aus Aminosäuren, wie Eiweiß aus der Nahrung. Der Körper ist darauf ausgelegt, sie zu verdauen: Magensäure und Enzyme wie Pepsin und Trypsin spalten sie, und intakte Peptide passieren die Darmwand nur in winzigen Mengen. Wie viel eines Wirkstoffs tatsächlich im Blut ankommt, beschreibt die Bioverfügbarkeit.
| Darreichungsform | Weg in den Körper | Typische Bioverfügbarkeit von Peptiden | Beispiele zugelassener Präparate |
|---|---|---|---|
| Injektion (subkutan, intravenös) | direkt ins Gewebe oder Blut | hoch | Insulin, Semaglutid, Tirzepatid |
| Nasenspray | über die Nasenschleimhaut | gering bis mäßig | Desmopressin, GnRH-Analoga wie Buserelin |
| Tablette / Kapsel | über Magen und Darm | sehr gering, meist unter 1 % | orales Semaglutid, Desmopressin-Tabletten |
Injektion
Die meisten Peptid-Arzneimittel werden unter die Haut gespritzt. Der Wirkstoff umgeht den Verdauungstrakt und gelangt weitgehend vollständig in den Kreislauf. Der Nachteil: Die Lösung muss steril sein, und jede Injektion ist ein Eingriff. Mehr dazu: Peptide spritzen.
Kapseln und Tabletten
Oral ist für Peptide die schwierigste Form. Dass sie dennoch möglich ist, zeigt orales Semaglutid: Ein Hilfsstoff (SNAC) schützt das Peptid lokal im Magen vor dem Abbau und erleichtert die Aufnahme durch die Magenschleimhaut (Buckley et al., 2018). Trotzdem gelangt nur ein sehr kleiner Teil ins Blut, weshalb die tägliche Tablettendosis um ein Vielfaches höher ist als die wöchentliche Spritzendosis, und die Tablette muss nüchtern mit wenig Wasser eingenommen werden.
Für einige Forschungspeptide wird die orale Form gezielt untersucht. BPC-157 etwa stammt aus einem Protein des Magensafts und gilt dort als vergleichsweise stabil; in Tierstudien wurde es auch über das Trinkwasser gegeben. Ob und wie viel davon beim Menschen aufgenommen wird, ist nicht untersucht. Peptika bietet zahlreiche Peptide auch als Kapseln an, etwa BPC-157 Kapseln, als Referenzmaterial für Forschung zur oralen Form.
Nasenspray
Die Nasenschleimhaut ist gut durchblutet und nimmt kleine Peptide schneller auf als der Darm. Über den Riech- und den Trigeminusnerv kann zudem ein kleiner Teil direkt ins Gehirn gelangen („nose to brain“). Deshalb werden Peptide, die im Gehirn wirken sollen, oft nasal untersucht:
- Semax und Selank sind in Russland als Nasentropfen zugelassen (Semax Wirkung, Selank Wirkung).
- Oxytocin-Nasenspray ist das bekannteste Werkzeug der Sozialforschung, mit uneinheitlichen Ergebnissen (Oxytocin).
- Desmopressin und GnRH-Analoga sind in der EU als Nasensprays zugelassen.
Die Grenzen: Die aufgenommene Menge schwankt stark, große Peptide werden kaum aufgenommen, und die Schleimhaut kann gereizt werden.
Was heißt das für die Forschung?
Welche Form ein Labor wählt, hängt von der Fragestellung ab: Für definierte Konzentrationen im Zellversuch oder Tiermodell ist das gelöste Lyophilisat die Standardform. Kapseln dienen der Forschung zur oralen Stabilität und Aufnahme. Für alle Formen gilt: Nur ein Laborbericht je Charge belegt, was tatsächlich enthalten ist.
Häufige Fragen
Weiterlesen
Quellen
- Drucker DJ. Advances in oral peptide therapeutics. Nat Rev Drug Discov. 2020;19(4):277–289.
- Buckley ST et al. Transcellular stomach absorption of a derivatized glucagon-like peptide-1 receptor agonist. Sci Transl Med. 2018;10(467):eaar7047.
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Rybelsus (orales Semaglutid) – EPAR.
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=intranasal%20peptide%20delivery%20nose%20to%20brain


