Thymosin Alpha 1: Wirkung, Mechanismus & Forschung
Peptika Redaktion · Veröffentlicht · Aktualisiert · 3 Min. Lesezeit

Thymosin Alpha 1 (Tα1) ist ein Peptid aus 28 Aminosäuren, das ursprünglich aus dem Thymus isoliert wurde, dem Organ, in dem T-Zellen reifen. Es entsteht durch Spaltung des Vorläuferproteins Prothymosin Alpha. Die synthetische Form heißt Thymalfasin. In der Immunologie ist Thymosin Alpha 1 eines der am längsten untersuchten Peptide.
Struktur
- Länge: 28 Aminosäuren, N-terminal acetyliert
- Molekulargewicht: rund 3,1 kDa
- Herkunft: natürliches Fragment von Prothymosin Alpha; die Forschungs- und Arzneiform wird synthetisch hergestellt
Weitere Strukturdaten stehen im Lexikon-Steckbrief.
Wirkmechanismus
Thymosin Alpha 1 wirkt als Immunmodulator, nicht als direkter Wirkstoff gegen Erreger. In Zell- und Tierstudien beschrieben sind:
- Toll-like-Rezeptoren: Aktivierung von TLR2 und TLR9 auf dendritischen Zellen und damit der angeborenen Immunantwort
- T-Zell-Reifung: Förderung der Differenzierung und Funktion von T-Helferzellen und zytotoxischen T-Zellen
- Zytokinprofil: Verschiebung in Richtung einer Th1-Antwort (u. a. Interferon-γ, Interleukin-2)
- Antigenpräsentation: verstärkte Expression von MHC-Molekülen
Wo Thymalfasin zugelassen ist
Thymalfasin ist in einer Reihe von Ländern, vor allem in Asien, als Arzneimittel zugelassen, unter anderem zur Behandlung chronischer Hepatitis B und als Immunadjuvans. In der EU und den USA besteht keine Zulassung als Arzneimittel; dort ist Thymosin Alpha 1 Gegenstand der Forschung.
Forschungsschwerpunkte
Virusinfektionen: Die meisten klinischen Daten stammen aus Studien zu chronischer Hepatitis B und C, in denen Thymalfasin allein oder mit Interferon untersucht wurde.
Schwere Infektionen und Sepsis: In Studien bei Intensivpatienten wurde untersucht, ob die Wiederherstellung der Lymphozytenfunktion den Verlauf beeinflusst. Während der COVID-19-Pandemie berichtete eine retrospektive Analyse (Liu et al., 2020) bei schwer Erkrankten eine niedrigere Sterblichkeit unter Thymosin Alpha 1; als retrospektive Arbeit ist sie jedoch kein Wirksamkeitsnachweis, und randomisierte Studien kamen zu uneinheitlichen Ergebnissen.
Onkologie: Untersucht wird Thymosin Alpha 1 als Ergänzung zu Chemo- oder Immuntherapien, mit dem Ziel, die Immunantwort zu unterstützen.
Impfantwort: Studien untersuchen, ob die Immunantwort auf Impfstoffe bei älteren oder immungeschwächten Menschen verbessert wird.
Verträglichkeit in Studien
In den klinischen Studien, in denen Thymalfasin eingesetzt wurde, galt es überwiegend als gut verträglich; berichtet wurden vor allem lokale Reaktionen an der Injektionsstelle. Diese Daten gelten für das zugelassene Präparat unter ärztlicher Aufsicht.
Entdeckung
Thymosin Alpha 1 wurde 1977 von Allan Goldstein und Kollegen aus einem Extrakt der Thymusdrüse („Thymosin Fraktion 5“) isoliert. Es entsteht im Körper aus dem größeren Vorläuferprotein Prothymosin Alpha. Das als Arzneimittel verwendete Thymalfasin wird synthetisch hergestellt und ist mit dem körpereigenen Peptid identisch.
Thymosin Alpha 1 und Thymosin Beta 4: nicht verwechseln
Trotz des ähnlichen Namens sind es zwei verschiedene Peptide mit unterschiedlichen Aufgaben:
| Thymosin Alpha 1 | Thymosin Beta 4 | |
|---|---|---|
| Länge | 28 Aminosäuren | 43 Aminosäuren |
| Hauptfunktion | Immunmodulation (T-Zellen, dendritische Zellen) | bindet Aktin, Zellwanderung, Wundheilung |
| Bekannte Form | Thymalfasin (Arzneimittel in einigen Ländern) | TB-500 (synthetisches Fragment) |
| Dopingliste | nicht namentlich erfasst | TB-500 in Kategorie S2 |
Mehr zu TB-500: TB-500 Wirkung.
Häufige Fragen
Weiterlesen
Quellen
- Liu Y et al. Thymosin alpha 1 reduces the mortality of severe COVID-19 by restoration of lymphocytopenia and reversion of exhausted T cells. Clin Infect Dis. 2020;71(16):2150–2157.
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=thymosin%20alpha%201
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=thymalfasin%20hepatitis%20B
